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Klaus Bruno Engelhardt zum Tag der Demokratie

Aus der Rede:

"Als ich 2001, nach einigen ruhigen Jahren, wieder eine Demonstration gegen den erneuten Heß-Gedenkmarsch anmeldete waren wir ein kleiner und auch isolierter Haufen. Und wir hätten uns gewünscht daß mehr Wunsiedlerinnen und Wunsiedler auf die Straße gingen. Heute feiern wir den fünften Tag der Demokratie. Wir feiern, weil die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt den Nazi-Spuk in Wunsiedel beendet haben. Das hat Folgen. Wenn 2002 oder 2003 außerhalb unserer Region der Name Wunsiedel genannt wurde, dann war die Reaktion: "Dort wo die Nazis demonstrieren". Heute sagen die Leute: "Dort wo die Nazis vertrieben wurden." Dazu kann man den Menschen dieser Stadt nur herzlich gratulieren. .

Wenn wir über die Ursachen für das Erstarken rechtsextremistischer Gruppen reden, dann müssen wir auch nach den Problemen in unserer Gesellschaft fragen. Wir müssen uns mit Themen auseinandersetzen an die die Nazipropaganda anknüpft. Nach der realen sozialen Ungerechtigkeit oder danach, dass Globalisierung von den Menschen als Bedrohung wahrgenommen wird. Wenn in der Gesellschaft das Ellbogenprinzip gilt und der stärkere sich auf Kosten des Schwächeren durchsetzen kann, dann werden letztlich auch rechtsextremistische Leitbilder bedient. Wenn die Rechte von Ausländerinnen und Ausländern, insbesondere von Asylbewerbern per Gesetz beschnitten werden, müssen sie dann nicht als Menschen zweiter Klasse erscheinen? .

Mein Vater wurde 1933 mit 19 Jahren von den Nazis in das KZ Dachau verschleppt und verbrachte dort fast vier Jahre. Als Vermächtnis aus dieser Zeit hat er uns hinterlassen: Gegen die Nazis müssen alle zusammenstehen. 1933 konnten die Braunen an die Macht kommen, weil die Demokraten sich gegenseitig bekämpften. Die Menschen damals konnten das Ausmaß der Verbrechen nicht ahnen. Wir wissen um das Unheil welches die Nazidiktatur über die Völker Europas und unser eigenes Volk gebracht hat. Deshalb müssen anderweitige Differenzen zurückstehen; deshalb darf es keine Ausgrenzung geben.... "